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Liken und Sharen!

By 13. Juli 2018 No Comments

Liebe Leserin, lieber Leser

Halbzeit und Sommerferienzeit, ich resümiere und denke, dass wir noch nicht in den gewünschten Dialog getreten sind, den ich mir erhofft hatte. Der stille Leser liegt mir natürlich sehr am Herzen, und das Liken und Sharen darf auch nicht das einzige Kriterium sein, ob Sie sich als Leser von meinen Themen angesprochen fühlen und ich die richtigen Worte finde. Für mich bleibt nach wie vor das Wichtigste, dass Sie meinen Blog gerne lesen und im besten Fall etwas für sich mitnehmen können. Mit dem Liken und Sharen verliert der Leser auch seine Anonymität, und diese will man sich vielleicht auch einfach bewahren. Es ist so oder so nicht einfach zu erkennen, mit welcher Brille (kritisch, freundschaftlich, geschäftlich, zufällig, strategisch) Beiträge gelesen, gelikt und geshart werden und warum die einen viel Resonanz geniessen und andere (die sich teilweise sogar aus der Masse hervorheben) einfach so untergehen.
Kennen Sie dieses Phänomen? Auf einem Platz sind zwei Strassencafés, wovon die Terrasse des einen proppenvoll und die des anderen menschenleer ist. Von Aussen betrachtet gibt es kaum Unterschiede, die dies begründen könnten, beide sind einladend bestuhlt. Ich wähle dann oft das leere Strassencafé – aus purer Neugier -, und danach kann ich beobachten, wie sich das Café um mich herum nach und nach füllt. Oder eine andere Situation: In einem Café sind ein paar Tische frei, nur einer ist noch nicht abgedeckt. Raten Sie mal, welcher Tisch am ehesten anvisiert wird? Natürlich jener, der noch die Spuren von gegangenen Gästen zeigt. Die meisten Menschen wählen den Tisch, bei dem das Geschirr noch nicht abgeräumt ist – sehr zum Leidwesen des Servicepersonals – und nicht den leeren aufgeräumten Tisch.
Es gibt eine Theorie, die nennt sich Schwarmverhalten, und wir Menschen neigen zu diesem intuitiv oft irrationalen Verhalten. Viele Entscheidungen und Verhaltensweisen – ob wir es gerne hören oder nicht – werden auf emotionalen Grundlagen gefällt. In der Kolumne von Kurt W. Zimmermann zum Thema «Erfinder des Algorithmus: was man von Ameisen lernen kann» wird dieses Verhalten anschaulich beschrieben. Wir folgen der Mehrheit und lassen uns stark von ihrer Bewertung beeinflussen.
Was hat das mit mir zu tun, und was will ich Ihnen damit sagen? Falls Sie sich wundern, warum es auf meiner Homepage noch keine Kundenrückmeldungen gibt, dann hat dies vielleicht mit diesem Phänomen zu tun. Bestimmt aber auch damit, dass meine Kunden gerne anonym bleiben und ihre überwundenen Probleme/Krisen nicht unbedingt mit der ganzen Welt teilen wollen. Hinzu kommt, dass ich persönlich höchsten Wert auf Persönlichkeits- und Datenschutz lege.
Aber wie erkennen Sie trotzdem meine Qualität oder dass ich schon einige zufriedene Kunden mein nennen darf? Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung! Vielleicht sind Sie danach mutig, um mir ein ehrliches Kundenfeedback zuzustellen, ohne dass ich es gleich online stelle. Vielleicht sind Sie aber auch der Anstoss, das Schwarmverhalten zu aktivieren und geben mir grünes Licht, Ihr Feedback zu veröffentlichen, ohne dass Sie zuviel von sich preisgeben.
Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist eh das Beste, sagt mir jeder, aber auch in meinem Geschäftsfeld ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn wer spricht schon gerne öffentlich über seine Schwächen.
In einer Gesellschaft, in welcher der erfolgreiche Gewinnertyp und Selbstoptimierer das A und O bedeutet, und alle verkünden, was Sie alles aus eigener Kraft erreicht haben, setzt man nicht gerne Zeichen in eine andere Richtung!

Zeugt es nicht auch von Stärke, wenn Sie sich von einer Fachperson supporten lassen und entsprechende Unterstützung holen? Denn nur wer sich seiner eigenen Grenzen und Schwächen bewusst ist, kann an diesen Erkenntnissen wachsen. So manche Situationen im Leben erfordern einen Spezialisten, dem Sie sich selbstverständlich anvertrauen (Garagist, Zahnarzt), warum nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wenn es um Ihr seelisch- psychisches Wohlbefinden geht. Die Gründe dazu können so vielfältig, wie der Mensch unterschiedlich ist, sein.

In diesem Sinne verabschiede ich mich bis auf Weiteres im stillen Dialog mit Ihnen und wünsche Ihnen eine schöne, beschauliche Sommerzeit mit vielen kraftschöpfenden und entspannten Stunden.
Stille Wasser gründen tief und bringen wohltuende Abkühlung …

Es grüsst Sie herzlich
Tanja Bartholdi

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