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Begnadeter Problemlöser, schwarzfedriger Überlebenskünstler, mystifiziert, bewundert und oft verfolgt!

By 31. März 2018 No Comments

Corvidae (Rabenvögel) Corvus (Krähen und Raben) ist ein Singvogel, der nicht wirklich singen kann. Dies hängt aber vor allem damit zusammen, dass er für das menschliche Gehör in einer unangenehmen Tonlage singt. Verständlich, aber er singt ja auch nicht für uns, sondern kommuniziert in differenzierter Weise lieber mit seinen Artgenossen. Dass er ein gewiefter Stimmenimitator ist und menschliche Stimmen täuschend ähnlich nachahmen kann, zeugt von seiner Begabung und Singqualität – und auch dies nicht grundlos. Genau dieser umstrittene Unglücksrabe, der so schlau, anpassungs- und lernfähig ist, ist vielleicht darum seit jeher so manchem suspekt und unheimlich. Eine Eigenschaft, die wir Menschen ja immer dann zeigen, wenn wir etwas nicht verstehen oder wir etwas nicht einordnen können. Zum Glück obliegt der Rabenvogel dem Artenschutzgesetz, weil er der Gattung der Singvögel angehört und dadurch geschützt ist; dennoch werden sie immer noch abgeschossen. Die Bezeichnung Totenvogel, wie ihn manche nennen, ist auch nur oberflächlich betrachtet nachvollziehbar; und das nur, weil er ein Aasfresser ist. Verstorbene wurden früher im Freien aufgebahrt, und in kalten Jahreszeiten kamen somit die Raben, um durch diese Futterquelle das Überleben ihrer Brut zu sichern. Zuerst kam der Tod und dann erst der Rabe. Trotzdem ist diese Überlieferung beharrlich in den Köpfen hängengeblieben. Auch das Schimpfwort der Rabenmutter ist aus einer falschen Interpretation heraus entstanden, denn bekanntlich führen falsch interpretierte Beobachtungen auch zu falschen Schlüssen. Raben stossen in der Not Jungtiere aus ihren Nestern, um mit der verkleinerten Brut deren Überlebenschance zu steigern. Dies machen übrigens auch andere Nestbrüter. Aber der Rabe muss auch hier wieder mit seinem Namen für ein Verhalten hinhalten, dass grundsätzlich von Klugheit zeugt und einseitig aus dem Zusammenhang gerissen wird. Schwarz ist seit jeher keine Farbe, die mit Gutem assoziiert wird. Schwarz-Weiss-Denken ist zudem sehr verbreitet, und viele Vorurteile beruhen oft auf alten Sagen, Mythen und Märchen. Dabei fand der Rabe auch viele gute Zuschreibungen, vor allem wegen seiner Intelligenz. Für den griechischen Gott Apoll waren die Raben heilig, und übrigens stand auch nicht die weise Eule der Athene am Anfang, sondern der weise Rabe „Koronis“ (Krähe). König Artus wurde nach seinem Tode übrigens auch in einen Raben verwandelt; „Hugin“ altnordisches Verb huga (=denken) und „Munin“ von muna (=sich erninnern), die beiden Kolkraben, konnten Gott Odin von der Menschenwelt berichten, weil sie klug und weise waren.

Habe Sie schon einmal ein „Augenduell“ mit einem Raben gemacht? Ich gehe davon aus, dass Sie auch hin und wieder einem Raben begegnen: Kolkrabe (gross) Rabenkrähe (kleiner), Saatkrähe, Dohle, Elster, Eichel- oder Tannenhäher, die übrigens alle Verwandte der Gattung Corvidae sind. Wenn nicht, kann ich Ihnen sagen: Er schaut genau und lange hin und lässt sich vom menschlichen Blick nicht beeindrucken oder einschüchtern. Nein, er kann sogar „freundliche Gesten“ signalisieren und den Kopf zur Seite legen. Vielleicht und gerade wegen dieses Verhaltens erleben manche Menschen dies als unangenehm, denn der Rabenvogel ordnet sich uns Menschen nicht einfach unter, sondern er beobachtet uns und macht sich unser Verhalten geschickt zu eigen. Er lernt mit und von uns und stellt sich uns mutig entgegen. Er macht sich unsere Saat zunutze, lebt sehr nah in unserem Umfeld, ist auf der ganzen Welt zuhause und ahmt unsere Stimmen nach, als würde er uns nachäffen, kreischt nervig oder gar furchteinflössend. Krähenvögel leben in einem gesellschaftlichen Gefüge, und wenn man mehr über sie weiss, kommen immer mehr Gemeinsamkeiten mit der menschlichen Sozialstruktur zutage. Sie leben in festen Partnerschaften und kümmern sich gemeinsam um die Brut. Es gibt aber auch Single- oder Junggesellengruppen. Sie erkennen einander an Stimme und Gesicht. Paradiesvögel und Krähenvögel haben übrigens einen gemeinsamen Ursprung, und zwar Neuguinea: erstaunlich, oder? Kolkraben können 40 bis 50 Jahre alt werden, und „nur wer lange lebt, kann viel lernen“, betont der Zoologe Professor Dr. Josef H. Reichholf so treffend.

Nun gut, ich könnte Seite um Seite über diese faszinierenden Vogel füllen, aber ich will Sie mit diesem Blog nicht überstrapazieren. Ich wollte Ihnen aufzeigen, wieso ich den Raben als Logo für meine Dienstleistungen gewählt habe; das Logo vertritt viele Botschaften, allen voran Ressourcen zu nutzen und das neugierige Streben nach Problemlösungen.

Bewunderung und Ablehnung liegen oft nahe beieinander, und tierische Intelligenz wird gerne heruntergespielt. Was hindert uns daran, andere Spezies mehr auf Augenhöhe zu betrachten?

Ich wünsche Ihnen einen neugierigen Blick auf alltägliche Begegnungen und neue Situationen, wie es uns der Corvidae Corvus vormacht!

Rabenfrohe Grüsse

Tanja Bartholdi

Quelle: Buch von Professor Dr. Josef H. Reichholf  „Rabenschwarze Intelligenz“

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