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Hype und Megatrends in achtsamer Entschleunigung auflösen

Schön, dass Sie sich wieder in meinen Blog einlesen. Ich habe mir lange überlegt, ob ich Ihnen diesmal eine Geschichte über die Rabenkrähe „Corvus corvidea“ und ihr faszinierendes Sozial- und Lernverhalten schreiben soll oder das Titelthema aufgreifen soll. Das Thema Hype und Megatrends liess mich nicht mehr los, und so ist der Entschluss gefallen. Ich habe seit Anfang Jahr einige Veranstaltungen besucht und viel gescheite und schlaue Keynote-Speakers (Redner) gehört, die sich unter anderem den Fragen wie „Das Rätsel des menschlichen Bewusstseins“, „Eigene Heldengeschichten entwerfen“ oder „Uberisierung der Wirtschaft“ gestellt haben. Alle Themen insgesamt anregend vorgetragen! Ich stelle auch da einen Megatrend fest, weil es unglaublich viele Angebote und Veranstaltungen und haufenweise Keynote-Speakers gibt, die massenweise Leuten mobilisieren und damit einen enormen Wirtschaftszweig ausmachen. Denn für solche „Events“ wird in der Regel nicht wenig Eintrittsgeld verlangt. „Netzwerken“ ist heute ja enorm wichtig für die erfolgreiche Geschäftstätigkeit, und zweifellos findet dieses an solchen Anlässen statt. Digital ist das Bedürfnis noch nicht kundennah genug entwickelt. Dass an den Vorträgen nur so mit Anglizismen um sich geworfen wird, ist auch ein unüberhörbarer Trend. Es wird zwar darauf hingewiesen, dass man dieses oder jenes lieber in Deutsch als in Englisch gesagt hätte, wenn denn im Deutschen der treffende Ausdruck vorhanden gewesen wäre. Als Lobbyistin der kulturellen Vielfalt sehe ich es jedoch in der Sprachgewandtheit etwas kritischer und hinterfrage diese einfache Erklärung trotzdem! Nun: Von „Siri und Schwester Alexa“ (warum nur Frauen?) und anderen Innovationen muss ich Ihnen hier nicht berichten, auch nicht über die vielen Hypes, die uns wöchentlich erreichen, wie die Krypton-Währung, das neue App Vero (Konkurrenz zu Facebook) oder das 3D-Modell Lil Miquela usw. Im Hype steckt der Cocooning-Effekt, um uns glauben zu lassen, ohne besagte(s) Objekt/Wissen/Strategie/Modell verpasse man die Moderne. Der Hype-Zyklus von Jackie Fenn, 1995, beschreibt das Phänomen toll. Es beginnt mit einem Auslöser und kann bis zum „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ gehen. Dann folgt der Sturz in das „Tal der Enttäuschungen“, um dann dem „Pfad der Erleuchtung“ zu folgen, bis wir auf dem „Plateau der Produktivität“ sind. Statt bewährt vorzugehen, beschäftigen wir uns offensichtlich am liebsten mit Dingen auf dem Gipfel, egal ob übertrieben oder wirklich gut zu den restlichen Gegebenheiten passend. Etwas weniger Hype und mehr Begeisterung am Alltag fände ich darum begrüssenswert; weniger Selbstinszenierung, dafür mehr Inhalt; und anstelle der High-Business-Konzepte mehr reale Tatkraft. Kurz: Ein weniger überdrehter Alltag zur Entschleunigung. Das wäre doch gut genug so, denn der Alltag – wenn er denn bewusst gelebt wird – birgt in sich eine sehr hohe Qualität. Er bringt uns unter Umständen auch ein bisschen mehr Achtsamkeit in den Alltag zurück. Darum wünsche ich mir, dass der Alltag zum Megatrend, zu einem richtigen Hype wird. So quasi wie das einst als spiessig geltende Hobby-Gärtnern, wenn auch heute urban gardening („Stadtgärtnern“) genannt, inzwischen wieder als Megatrend gelebt wird. Ist doch super, weiter so, weil dieser Megatrend sehr viele gesundheitsfördernde Aspekte mit sich bringt und als Sozial-Katalysator wirken kann …

Epilog: Selbstkritisch hinterfrage ich mein Handeln und stelle mich dem ständigen Wandel und der Digitalisierung mal genüsslich oft auch unausweichlich, vorwiegend jedoch interessiert. Es liegt mir am Herzen, mich mit Bodenhaftung regelmässig dem sich immer schneller drehenden Karussell bewusst und gezielt zu entziehen, um in dieser Dynamik nicht den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Darum werde ich zwischendurch auch zur Gärtnerin…

Mit zwischenmenschlich erdigen Grüssen

Tanja  Bartholdi

 

One Comment

  • Peer B. sagt:

    Liebe Frau Bartholdi
    Das ist ein wirklich guter Blog, er ist interessant zu lesen und regt an, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich freue mich jedes Mal darauf, wieder etwas von Ihnen zu hören.

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